Ein Abend mit Lou Reed und Metallica

Montag, 14. November 2011
Abelegt in: Metal News
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Wir waren dabei als rund 400 Fans in Köln Zeugen eines denkwürdigen Karnevalsauftakts wurden.

Pünktlich zum Karnevalsbeginn fand sich in Köln eine der merkwürdigsten Kombinationen des Rock-Business ein: Lou Reed und Metallica luden zum EinsLive Radiokonzert. Über den Grund kann man getrost streiten. Trotz teilweise vernichtender Kritiken stieg das gemeinsame Album „Lulu“ in den deutschen Albumcharts auf Platz 6 ein.

Das Publikum auf dem WDR Gelände bestand aus geladenen Gästen aus der Musikindustrie sowie Gewinnern diverser Ticketverlosungen von EinsLive sowie der Plattenfirma Universal Music. Und es wusste wohl niemand so richtig, was ihn da nun nach 21:00 erwarten würde.

Zum Glück gab es ja den freundlichen EinsLive Moderator Manuel Möglich, der dem Publikum vor Beginn erklärte, dass man nun drei Songs von Lou Reed und Metallica hören würde bevor es nach einer Interview-Pause nochmal zwei Songs des gemeinsamen Projekts geben würde und anschließend eine ganz besondere Zugabe. Außerdem solle man doch ab 20:59 brav klatschen und wenn Metallica auf die Bühne kommen doch noch etwas lauter werden.

Was danach folgte ist schwer zu erklären: Das Publikum bereitete Metallica und ihrem Anhängsel Lou Reed – aufgrund seiner Stimme von mir auch gerne Opa Simpson genannt – einen nahezu begeisterten Empfang. Begonnen wurde dann auch mit einem der herausstehenden Songs aus dem gemeinsamen Projekt: „Iced Honey“.

Die Performance von Lou Reed entspricht leider von dem Moment an bis zur Interview-Pause dem, was man wohl von einem Ex-Junkie im mittleren Alter erwarten durfte. Der Mann steht auf der Stelle, liest seine Texte vom Teleprompter und wird von Metallica unnachgiebig nach vorne getrieben. Der größte Teil des Publikums hat Spaß, wippt mit dem Kopf und Fuß und erfreut sich der Nähe zu den eigenen Idolen. Gedankt wird mit kräftigem Applaus nach jedem Song.

Echte Thrash-Metal Gefühle kommen dann erst ab dem letzten Teil von „The View“ auf bevor Metallica und allen voran Drummer Lars Ulrich mit „Mistress Dread“ eine konditionelle Meisterleistung abliefern und sich die Seele aus dem Leib spielen. Angefeuert vom Publikum drischt Ulrich auf die Felle wie man es nur bei echten Metallica Klassikern sonst von ihm sieht.

Der unterhaltsamste Teil des Abends war dann jedoch sicherlich das folgende Interview. Lou Reed gibt sich hier so, wie es Journalisten fürchten wenn sie einen Interview-Termin mit ihm haben: Unbequem und  zickig. Moderator Manuel Möglich hat aber auch nicht seinen stärksten Tag und der Versuch von Lars Ulrich Fragen aus dem Studio-Publikum einzufangen wird vom strengen Protokoll sofort unterbunden. Schade eigentlich, hätten doch einige der Anwesenden bestimmt spannendere Fragen auf Lager gehabt als der deplatziert wirkende Herr Möglich.

Übrigens fiel mir und meinem Nachbarn von der EMP Rockinvasion spontan keine Zusammenarbeit von Metallica mit einer anderen Band ein – außer vielleicht die Radioshow „Don’t Call Us, We’ll Call You“ auf KSJO aus dem Jahr 1997 mit Gästen wie Dave Miles, Jim Martin, Gary Rosington, Pepper Keenen, Chris Issac, Les Claypool, Jerry Cantrell, Sean Kenney und John Popper.

Falls jemand von euch eine ernsthafte Zusammenarbeit von Metallica mit anderen Künstlern einfällt: Bitte einen Kommentar da lassen.

Besonders hängen geblieben ist von James Hetfield die Aussage, dass Metallica als Weltenbummler immer wieder verschiedene Dinge machen wollen und sich nicht auf einen Stil festlegen wollen. Wenn es Einem nicht gefällt solle man doch bitte einfach das Album weiter hören, was am besten gefällt.

Außerdem stellt Lars Ulrich – vielleicht zur Erleichterung einiger Gäste – klar, dass es keine Lulu-Tour geben wird. Vielleicht mal ein Theaterstück oder einzelne Shows aber mehr auch nicht. „You think it’s difficult to listen to it – you should try to play that shit“ steht dann als Statement auch noch klar im Raum.

Genug gequatscht, es geht zurück auf die Bühne und da werden nochmal zwei Lulu-Songs zum Besten gegeben bevor es den Velvet Underground Klassiker „White Light / White Heat“ als fest eingeplante Zugabe gibt. Hier blüht dann auch Hetfield so richtig auf und kann sich zumindest zeitweise wieder in seiner Rolle als Frontsau austoben, die er als Backgroundsänger von Lou Reed zuvor nicht wirklich ausleben konnte.

Was bleibt nun von dem Abend? Rund 400 Gäste waren Metallica so nah wie wahrscheinlich nie wieder in ihrem Leben. Metallica haben sich als Künstler wieder ein Stück mehr selbst verwirklicht und ihre noch immer merkwürdig anmutende Zusammenarbeit mit Lou Reed präsentiert. Hardcore Metallica Fans werden das Album noch immer nicht lieben aber der Großteil der Besucher vor Ort hatte – wenn man den Garderoben Gesprächen glauben darf – Spaß an jenem 11. November zum Start der Karnevalszeit in Köln.

Der Einzige, der den ganzen Abend über nicht so wirklich aus sich raus kam war Kirk Hammett – aber ob das was damit zu tun hatte, dass er beim ersten Lesen der Lulu-Lyrics von Lou Reed an seinen verstorbenen Vater denken musste und weinend in die Küche des Metallica Headquarters rannte werden wir wohl dank der Interview-Leistung von Herrn Möglich nie erfahren.

Schade eigentlich…

Das komplette Konzert inklusive des Interviews findet ihr bei YouTube: Lou Reed & Metallica live in Köln

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