Review: Lou Reed & Metallica – Lulu

Freitag, 4. November 2011
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Da liegt sie nun, die CD von der im Moment alle sprechen: Lulu.

Da liegt sie nun, die CD von der im Moment alle sprechen: Lulu. Eine einzigartige Zusammenarbeit zwischen einem der ehemals bekanntesten Junkies der Hippie-Zeit und der größten Rockband unserer Zeit.

Was zum Teufel hat Lou Reed dazu gebracht gemeinsam mit Metallica ein Album aufzunehmen? Noch dazu ein Album, das auf den beiden Wedekind-Werken „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ basiert. Und was zum Teufel hat Metallica dazu gebracht bei der Vertonung der beiden Stücke, die sie selbst erst via Google kennengelernt haben, mitzumachen?

Man muss die Zeit ein wenig zurückdrehen: Wir befinden uns im Jahr 2009 beim Jubiläumskonzert der Rock’n’Roll Hall of Fame in New York. Metallica spielen gemeinsam mit Lou Reed den Velvet-Underground-Klassiker „Sweet Jane“. In dem Moment muss auf der Bühne irgendwas passiert sein, was mit gesundem Menschenverstand nicht erklärt werden kann.

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Reed wird den Auftritt später in Interviews immer wieder mit dem Wort „Ecstasy“ beschreiben und später ausführen, dass er sich schon immer gewünscht habe mit Metallica zu arbeiten und bevor es die Band gab, habe er sich eine solche Band herbeigewünscht.

Zwei Jahre nach dem gemeinsamen Auftritt – im Februar 2011 – beginnt nun tatsächlich die Zusammenarbeit von Lou Reed und Metallica. Zunächst werden einige Demos gehört, die Reed bereits basierend auf dem Wedekind-Werk „Lulu“ aufgenommen hat. Die Demos sind über die Jahre entstanden und werden nun von Metallica und Lou Reed gemeinsam überarbeitet und aufgenommen.

Und was ist dabei rausgekommen? Ein Album, das „Master Of Puppets“-Fans verschrecken wird. Ein Album, das von „Load“ und „Re-Load“-Fans geliebt werden könnte. Auf gar keinen Fall ein Album, das sofort und einfach zugänglich ist für jedermann.

Die Scheibe braucht einige Anläufe und man muss sich zuvor damit auseinander setzen, dass es hier nicht einfach nur ein weiteres Metallica Thrash-Metal Album gibt sondern, dass hier der stets zerknittert und mürrisch wirkende Lou Reed eigentlich die Fäden in der Hand hatte und Metallica als seine musikalischen Marionetten brauchte um den Texten von Lulu Ausdruck verleihen zu können.

Lulu – ein freizügiges Mädchen, das mit seinem Vater (ein Klein-Ganove) quasi auf der Straße lebte bevor es von Dr. Schön erzogen und in die Welt der Reichen und Schönen eingeführt wird. Lulu, die die Menschen, die sie lieben immer wieder hintergeht und betrügt. Lulu, die am Ende als Strichnutte genau wie ihrer lesbische Freundin Gräfin Geschwitz von Jack The Ripper umgebracht wird nachdem sie zuvor selbst gemordet hat.

Schon heftig genug? Kombiniert die Story mit Metallica-Songs wie „All Nightmare Long“ und vor allem dem dazugehörigen Video und ihr könnt euch so ungefähr vorstellen, was mit Lulu auf sich hat.

Hat man sich auf die Story rund um Lulu eingelassen und damit angefreundet, dass weder Metallica noch Lou Reed hier die Hauptrolle spielen erlebt man durchaus positive Überraschungen. Okay, der Klang von Lou Reed – der immer wieder an Opa Simpson erinnert – ist nicht überragend, aber so klingt er halt der Altmeister des Sprechgesangs.

Man muss „Lulu“ nicht lieben, man muss das Album nicht mal hassen weil es so schlecht gar nicht ist. Man muss „Lulu“ als das sehen, was es ist: Eine einzigartige Zusammenarbeit mit unglaublich schwer verdaulichem Stoff.

Kurzfassung: Hört es euch selbst an und lasst dabei eure Erwartungen an die Thrash-Metal Band Metallica außen vor.

Lou Reed & Metallica - Lulu

Cover: Lulu - Lulu

Lulu

Lou Reed & Metallica

28. Oktober 2011

Tracklist

  • Brandenburg Gate
  • The View
  • Pumping Blood
  • Mistress Dread
  • Iced Honey
  • Cheat On Me
  • Frustration
  • Little Dog
  • Dragon
  • Junior Dad

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