Sonisphere Festival endet im Desaster

Sonntag, 20. Juni 2010
Abelegt in: Festivals
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Besucher kritisieren unhaltbare Zustände.

Schlamm wohin das Auge blickt – was manch ein Hollywood Produzent für teures Geld künstlich erschaffen muss gab es bei der ersten Schweizer Ausgabe des Sonisphere Festival gratis zum musikalischen Program obendrauf.

Es hätte das Highlight des Open-Air Sommers werden können doch es wurde eine Katastrophe für nahezu 45.000 Metalheads, die den Weg nach Jonschwil auf sich genommen hatten. Bereits seit Donnerstag regnete es in Strömen und das Festival- sowie Camping-Gelände verwandelte sich in eine riesige Schlammlandschaft.

Wie in diversen Internet-Foren und kritischen Presse-Beiträgen inzwischen zu lesen ist, haben die Veranstalter nichts unternommen, um der Situation Herr zu werden. Demnach gab es keine Holzschnitzel, Strohballen oder Gehwegplatten aus Plastik – selbst für die Sicherheitskräfte gab es keine befestigten Wege. Zu allem Überfluss ließ der Veranstalter Notausgänge verschließen bzw. Hinweistafeln für die Notausgänge entfernen, da vom Schlammwandern erschöpfte Besucher diese zu Unrecht öffneten, um auf halbwegs begehbaren Wiesen den Weg in die Zivilisation zu suchen. Was bei einer Panik passiert wäre möchte man sich lieber nicht ausmalen!

Zahlreiche, verärgerte Besucher haben sich bereits Freitag vor Beginn der Haupt-Sensation (Anthrax, Metallica, Megadeth, Slayer) wieder auf den Heimweg gemacht, da ihnen das Chaos einfach zu groß erschien. Zudem entschied der Veranstalter wohl spontan am Donnerstagabend, dass nur Besitzer eines Camping-Tickets dem abendlichem Programm beiwohnen durften – etlichen Besitzer von Festival-Tickets dürfte dies sauer aufgestoßen sein.

Augenzeugenberichten zufolge gab es auf dem „Camping-Areal“ dann noch nicht einmal sanitäre Einrichtungen oder Möglichkeiten sich mit Speisen oder Getränken zu versorgen. Auch sollten Camper beim Versuch weitere Dinge aus ihren Autos zu holen wieder die gesamte Einlassprozedur über sich ergehen lassen, was zu zahlreichen Ausbruchversuchen durch ausgehebelte Zäune führte.

Von fast schon vertrauen Sonisphere-Problemen wie der Unterversorgung mit überteuerten Getränken und viel zu langen Wartezeiten bei der Bestellung von Gerstensaft möchte man schon gar nicht mehr schreiben wenn man bedenkt, dass nach dem Auftritt von The Sorrow die Jungs von A Job For A Cowboy nicht auftreten konnten weil das Dach über einem der Mischpulte eingestürzt ist und der Regen das Mischpult anschließend außer Gefecht setzte!

Auch möchte man nicht über Soundprobleme und die immer wieder ausfallende Fußball-Übertragung oder die schlechten Sichtverhältnisse vor den Bühnen schreiben wenn nahezu alle Fahrzeuge der Festivalbesucher mithilfe von Traktoren aus dem Schlamm gezogen werden mussten und diese Traktoren auf dem kostenpflichten Parkplatz (15€) nicht vom Veranstalter gestellt wurden sondern nochmal schön mit 20€ pro abgeschlepptem Fahrzeug in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Ein Festival mit diesem Line-Up – neben den großen Vier noch Motörhead, Stone Sour, Alice In Chains uvm. – hätte eine anständige Location und eine anständige Organisation verdient gehabt. Man darf sich fragen, ob das Sonisphere Festival nach dem ersten Reinfall am Hockenheimring im letzten Jahr und der absoluten Katastrophe in der Schweiz in diesem Jahr noch eine Zukunft im deutschsprachigen Raum hat.

Gerüchten zufolge soll Veranstalter L. Thalmann am Samstag bei der Explosion eines Gasgrills schwer an der Hand verletzte worden sein. Das lassen wir an dieser Stelle einfach unkommentiert.

Links zum Thema:

http://www.schweizer-illustrierte.ch/chit-chat/sonisphere-heavy-metal-festival-2010
http://www.tagblatt.ch/aktuell/ostschweiz/tb-os/Rattenbisse-und-blockierte-Notausgaenge;art138,1564486
http://www.helldriver-magazine.de/showLiveRev-ID-134.htm
http://www.facebook.com/group.php?gid=131362943558242&v=wall&ref=ts

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