Rückblick: Sonisphere Festival 2009

Montag, 6. Juli 2009
Abelegt in: Festivals
Kommentare

Metallica rocken alles in Grund und Boden, die Organisatoren müssen bis nächstes Jahr noch üben.

Nun hat also auch der zweite Formel-1 Ring in Deutschland sein Festival. Nachdem Rock am Ring nächstes Jahr seinen 25ten Geburtstag feiert und jedes Jahr mit den Wetterkapriolen der Eifel zu kämpfen hat, präsentierte sich die erste Auflage des Sonisphere Festival in Hockenheim wettertechnisch von der freundlichen Seite. Strahlender Sonnenschein, um die 28 bis 30 Grad – so darf ein Festival Spaß machen.

Organisatorisch haben die Damen und Herren vom Sonisphere jedoch noch Luft nach oben. So war das Festival für ortsunkundige recht schlecht ausgeschildert. Zudem wurde das Publikum im Vorfeld viel zu spät darüber informiert, dass das Event nun doch nicht im Motodrom inklusive Tribünenplätzen stattfindet, sondern in einen anderen Bereich verlegt wurde. Zum Trost durften Tribünenkarteninhaber in einem speziell klimatisierten Aufbau im Bereich direkt vor der Bühne das Festival genießen.

sonisphere01

Das erste Sonisphere Festival in Deutschland

Doch auch hier lief nicht alles reibungslos. Nachmittags wurde plötzlich gesagt, dass nun niemand mehr in den vorderen Bereich vor die Bühne kommt und es auch keine Bändchen mehr für den Bereich gibt. Wenige Stunden später gab es plötzlich orangene Bändchen, mit denen man den Bereich vor der Bühne auch nach dem Besuch des Funpark wieder betreten durfte. Zudem war bereits recht früh der Getränkestand im vorderen Bereich geplündert, so dass sich an anderen Stellen wieder lange Schlangen bildeten. Auch waren die Getränkepreise mit fast 10 Euro für einen Liter Wasser (!!!) eine absolute Unverschämtheit bei 30 Grad und Sonnenschein!

Der mit der neuen Location verbundene – unsäglich lange – Fußmarsch bis zur Bühne und Funpark sowie die fehlenden Informationen in Form eines Geländeplans auf der Website des Sonisphere Festival tun ihr übriges für die schlechte Benotung des Veranstalters. Nervig blinkende mobile Zigarettenverkäufer und Eisverkäufer gehören ja inzwischen leider zum täglichen Erscheinungsbild eines Festivals.

Kommen wir aber nun zum angenehmen Teil der Veranstaltung. Musikalisch hatten die Organisatoren eine wirklich bunte Mischung zusammen gestellt. Mit Five And The Red One – denen man am viel zu klein geratenen Banner ihren Status anmerkte – war eigentlich die einzig unbekannte bzw. kleinere Band am Start. Dazu gesellten sich Anthrax (wie immer dieses Jahr viel zu früh), Lamb Of God, Mastodon, Down, In Extremo, Die Toten Hosen, Prodigy und als Headliner eine gewisse Band namens Metallica.

Was von Beginn an auffiel war der wirklich gut gemischte Sound! Da kann sich der Mischer am Nürburgring noch ne Scheibe von abschneiden! Überraschend tauchten Lamb Of God eine Stunde früher auf der Bühne auf als geplant. Mastodon, die eigentlich zu dem Zeitpunkt auftreten sollten, machten mal wieder als Zu-Spät-Kommer auf sich aufmerksam. Ausrede diesmal: Ein geplatzter Wasserschlauch am Tourbus, es machten aber auch Gerüchte von einer etwas zu heftigen 4. Juli (Amerikanischer Unabhängigkeitstag) Party die Runde.

Down holten die inzwischen aufgeputschte Masse mit ihrer ruhigeren Art dann wieder ein bisschen runter. Anthrax Bärtchen Scott Ian versuchte sich dabei an „Bury Me In Smoke“ und genoss sichtlich den Unabhängigkeitstag mit seinen amerikanischen Freunden.

Während In Extremo gab es dann neben bedrohlich dunklen Wolken auch einige wenige Regentropfen, diese wurden vom Publikum jedoch einfach weggetanzt und somit war pünktlich zu The Prodigy, die sich dieses Jahr erschreckend häufig auf Gitarrenfestivals tummeln, wieder strahlender Sonnenschein angesagt. Wie schon beim Nürburgring hatten The Prodigy die Menge von Anfang an im Griff. Mit Klassikern wie Firestarter durfte das aber auch kein Problem werden – die kennt schließlich jeder .

Die Toten Hosen überbrückten dann die Zeit bis gegen 21:00 Uhr mit leichter Verspätung endlich Metallica die Bühne enterten. Bemerkenswert: Die Düsseldorfer versemmelten bei „Zurück ins Paradies“ den Text und ließen anschließend Marco aus dem Publikum das Mikrofon übernehmen.

Metallica wirkten zunächst, als würden die Jungs eine Comedy Veranstaltung abziehen, da die Klampfe von Hetfield für wenige Sekunden aussetze und das Ganze ohne Sound doch ein wenig nach Hampelmann aussah.

Hockenheimring in Flammen: Metallica

Hockenheimring in Flammen.

Was dann folgte war Energie pur – Metallica zockten bis kurz vor 23 Uhr ihr gesamtes 2 Stunden Programm durch und lieferten mit Flammenwerfern(YouTube Video), Feuerwerk und Rauchschwaden (YouTube Video) eine von vorne bis hinten perfekt inszenierte Show ohne dabei völlig abzudrehen. Wer zu einem Metallica Konzert geht weiß einfach, was ihn erwartet und kann sich auf die Jungs verlassen!

Vor der ersten Zugabe in Form von Queens Klassiker „Stone Cold Crazy“ gab es mit einige „Beat It“ Passagen noch ein Tribute an den unlängst verstorbenen King Of Pop Michael Jackson (YouTube Video) – hinter der „Main influence on Kirks guitarplay“ dürfte sich eine Anspielung auf Eddie Van Halen verstecken, der damals in der Originalversion für Jacko die Saiten gezupft hat.

Auch beim Abmarsch der Massen gab es wenig Probleme, viele hatten sich auf den umliegenden Campingplätzen nieder gelassen, der Rest wurde von der Polizeit über großzügig abgesperrte Landstraßen zweispurig vom Hockenheimring weg gelotst.

Mit einer verbesserten Organisation dürfte sich das Sonisphere langfristig als Ein-Tags-Spektakel etablieren, musikalisch war es schon bei der Premiere eine ganz große Nummer!

Metallica Setlist

Fight Fire With Fire
Ride The Lightning
Holier Than Thou
Fuel
Fade To Black
Broken, Beat And Scarred
Cyanide
Sad But True
One
All Nightmare Long
The Day That Never Comes
Master Of Puppets
My Apocalypse
Nothing Else Matters
Enter Sandman
– – – – – – – –
Stone Cold Crazy
Trapped Under Ice
Seek and Destroy

Kommentare